Über uns

Die staatliche Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung in Lichtenfels ist die einzige ihrer Art in Deutschland.
Hier können sich Schüler/innen in drei Jahren Vollzeitunterricht zu staatlich geprüften FlechtwerkgestalterInnen ausbilden lassen.

Leitbild

Unsere Ziele über den Lehrplan hinaus:

Außer den breitgefächerten handwerklich-technisch-gestalterischen Grundlagen sollen Fähigkeiten vermittelt werden, die im flechterischen Bereich allgemein von Bedeutung sind:
  • eigenständiges Arbeiten
  • Arbeitsorganisation (Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit)
  • Qualitätsbewußtsein
  • Kreativität
  • Freude am Beruf
  • Fähigkeit zur Selbstreflexion
  • Selbstbewußtsein
  • Offenheit
  • Fähigkeit, von und mit Geflecht zu leben
Dazu schaffen wir folgenden Rahmen, bzw. der Umgang miteinander und das Handeln ist geprägt von:
  • Rücksichtnahme
  • Eigenverantwortlichkeit
  • Offenheit und Ehrlichkeit
  • Toleranz
  • Achtung und Annahme des Gegenübers
  • Kommunikationsbereitschaft
  • Hilfsbereitschaft
Die Arbeitsatmosphäre und deren Rahmenbedingungen sind geprägt von:
  • Motivation
  • Vertrauen
  • konstruktivem Austausch
  • spannungsfreier, fachlicher Zusammenarbeit
  • Bereitschaft, gemeinsame Ziele und Projekte zu erarbeiten
  • Konzentration auf unterrichtliche Kernaufgaben
  • Begeisterungsfähigkeit
  • angemessenen Anforderungen
  • Bereitschaft, Neues anzunehmen und zu realisieren
Entwicklung der Schule intern:
  • Visionen und Zukunftsorientierungen erarbeiten
  • Berufswege aufzuzeigen, und dadurch die Ausbildung als Schlüssel zum gestalterischen Handwerk zu verstehen
  • Existenz des Berufs Flechtwerkgestalter/Flechtwerkgestalterin erhalten und Entwicklungen mit verfolgen
  • Starthilfe für Absolventen/Absolventinnen, Weiterbetreuung, Bindung an Absolventen/Absolventinnen aufrecht erhalten
  • Unterrichtsentwicklung methodisch und inhaltlich
  • Personalentwicklung
  • Sicherung des beruflichen Nachwuchses
Entwicklung der Schule extern:
  • Präsenz
  • Imagepflege
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Kontakte nach außen

Team

Günter Mix

Fachoberlehrer und Fachbereichsleiter

Möbelbau

Oliver Reese

Fachlehrer

Technisches Zeichnen, EDV, CAD

Uwe Böker

Fachoberlehrer

Grundausbildung Vollweidentechniken

Iris Schneider

Fachlehrerin

Feinflechttechnik

Julia Treubel

Fachlehrerin

Möbelbau

Historie

Im 19. Jahrhunderts und bis zum Ende des 1. Weltkrieges war die Flechterei der bedeutendste Wirtschaftszweig im Städtedreieck Lichtenfels – Coburg – Kronach. Um die Jahrhundertwende (vom 19. zum 20. Jahrhundert), bis zum 1. Weltkrieg gingen Korbwaren, insbesondere Feinkorbwaren aus dieser Gegend als Exportschlager in alle Staaten der Welt, mit Ausnahme von China. Mit der Feinflechterei (filigrane Körbchen aus gespaltener Weide) und Kleinkorbwaren anderer Materialien verdienten damals Tausende Menschen ihren Lebensunterhalt in den Landkreisen Lichtenfels, Coburg und Kronach. Es war der – mit Abstand – am meisten ausgeübte Beruf, welcher überwiegend als „Zwischenmeister“ oder in Heimarbeit ausgeführt wurde. Hierbei musste in der Regel die ganze Familie mitarbeiten. Oftmals wurde er auch als Nebenberuf betrieben.

Jedoch gab es auch zur damaligen Zeit Anzeichen dafür, dass der Verkaufsboom nicht ewig anhalten würde (Umsatzzahlen gingen zurück). Schon lange hatten verschiedene Firmen die Produktpalette erweitert, in dem sie neue, nicht heimische Flechtmaterialien einsetzten (z.B. Espartogras, Strohborten, Raffiabast, Luffa, Elhaschnur). Auch wurde versucht, mit immer mehr Modellen dem Rückgang der Korbindustrie vorzubeugen. Jedoch waren Ideenarmut und mangelnde Qualitäten in Ausführung und Design offensichtlich, was auf eine mangelnde Ausbildung der Korbmacher zurückzuführen war. Von Seiten der Regierung hatte man erkannt, dass etwas unternommen werden musste, um keinen Stillstand oder Rückschritt zu haben: die Korbmacher sollten eine fundierte Ausbildung erhalten.

Bestrebungen seitens der Regierung zur Errichtung einer Fachschule gab es schon in den Jahren 1853, 1855 und 1865. Diese konnten jedoch nicht realisiert werden. Realisiert wurde aber ab 1889 eine Wanderzeichenschule. Unterricht durch einen hauptamtlichen Zeichenlehrer war wöchentlich oder vierzehntägig, immer wechselnd in den Gemeinden Redwitz, Schwürbitz, Marktzeuln, Lettenreuth, Michelau und Lichtenfels.

Durch die intensive, zeichnerische Auseinandersetzung mit der Thematik Geflecht und Korb versuchte man, bei den Jugendlichen den Sinn für sauberes Arbeiten, Detailkenntnisse, Formensinn und Geflechtsvielfalt zu wecken und zu schulen. Im Schuljahr 1889/90 besuchten insgesamt 232 Schüler diese Schule. Auch von Teilnehmern aus anderen Handwerksberufen wie Schlosser, Schreiner, Zimmerleute, Maurer, Tüncher und Wagenbauer wurde sie besucht. Nachdem man jedoch erkannt hatte, dass die alleinige zeichnerische Ausbildung nicht genügte, und zudem auch der Bezirk Kronach die Einführung eines Zeichenlehrers forderte, entschloss sich die Regierung eine Fachschule zu gründen.

1904 Gründung

Eröffnung der „Königlichen Fachschule für Korbflechterei“ am 01. Mai 1904 im Rathaus der Stadt Lichtenfels. Die Unterbringung war damals in einigen Zimmern des jetztigen Rathauses.

1906

Durch Ministerialbeschluss vom 23. November 1906 wurde verfügt, dass die Abschlussprüfung der Fachschule die Gesellenprüfung ersetze. Dies ist noch heute gültig (§ 40 der Handwerksordnung, „Altpriviligierung“).
Weiterhin wurde verfügt: die Prüfungszeugnisse haben den Beisatz zu erhalten „dieses Prüfungszeugnis gibt dem Geprüften nach Vollendung seines 24. Lebensjahres die Befugnis zum Anleiten von Lehrlingen im Korbmacherhandwerk“ (gilt heute nicht mehr).

1909/10

Errichtung eines eigenen Schulgebäudes.

1911

Errichtung einer Musterwerkstätte, welche neue Modelle für die Korbindustrie liefern soll (wurde in den 1960er Jahren endgültig geschlossen).

Die Regierung von Oberfranken verfügt, dass die Gesellen und Meisterprüfungen für Korbmacher in Oberfranken in der Fachschule abzuhalten sind.

1912

Erstmals finden in der Fachschule mehrwöchige Flechtkurse für Frauen statt.

1914

Einführung der dreijährigen Schulzeit (Korbmöbelbau wurde in das Lehrprogramm mit aufgenommen).

1920

Erster Anbau am Schulgebäude

1943

Die letzte Zeichenschule wird geschlossen, wohl aufgrund der Berufsschulgesetzgebung von 1938.

1952

Die Fachschule wird als Forschungs- und Gutachterstätte anerkannt.

1953

Die Fachschule wird als „bundeswichtig“ für das Korbmacherhandwerk erklärt.

1954

Erstellung einer Flechtstoffsammlung

1955

Ein Lehrlingswohnheim und ein technisches Nebengebäude (heute Werkstatt für Flechtmöbelbau) entstehen.

1956

Ein Erweiterungsbau mir vier großen Werkstätten (verlängerter Ostflügel, heute Polizei) wird eingeweiht
. 50-jähriges Jubiläum vom 13. – 17. Juli (man hat die Einweihung abgewartet, um beides feiern zu können).

1958

Einrichtung einer Meisterklasse
erste Modellbörse für die Korbindustrie

Verkäuferlehrgang für den Einzelhandel

1965

Der Ostflügel muss an die Landpolizeiinspektion abgegeben werden, da die Schülerzahlen drastisch zurückgegangen sind. Bald darauf wird das Lehrlingswohnheim in eine Heim-Sonderschule für behinderte Kinder umgewandelt

1966

Die Direktorenwohnung und das Technische Nebengebäude werden vom benachbarten Gymnasium genutzt.

1977

Das Gymnasium zieht wieder aus und das Technische Nebengebäude wird zur Werkstätte für den Flechtmöbelbau umgebaut.

1986

An die Möbelwerkstätte wird ein Material- und Maschinenraum angebaut.

1989

An die Stelle des Freistaates Bayern tritt als Sachaufwandsträger der Landkreis Lichtenfels.

1997-1999

Generalsanierung des gesamten Gebäudes

1999

Die Schule verliert seine Eigenständigkeit. Sie wird der Berufsschule Lichtenfels angegliedert.

2006

Ab 1. August heißt die Schule „Staatliche Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung“ zum Schuljahr 2006/07 wird ein grundlegend neuer Lehrplan eingeführt.
Im September 2015 muss die Berufsfachschule den Gebäudeteil der ehemaligen Direktorenwohnung an das Landratsamt abgeben. Die Schule hatte nach dem Auszug des letzten dort wohnenden Direktors die Räumlichkeiten Jahrzehnte lang für Unterrichtszwecke (mit Unterbrechungen)genutzt. Allerdings hatte man es versäumt, diese auch offiziell hierfür zu deklarieren. 
Somit erhielt das Landratsamt bei seiner Suche nach Räumlichkeiten von Seiten des 
Kultusministeriums keinen Widerstand.